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"Ohne Eile, verweile!" Pinneberg als Ausflugsort

"Ohne Eile, verweile!" Pinneberg als Ausflugsort



Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Kunstgruppe "feine menschen".

In den 1762 erschienenen „historisch-politischen Nachrichten von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleswig und Holstein“ berichtete Johann Friedrich Cramer von Pinneberg und seinen Bewohnern, dass „die Nahrung wohl mehrenteils im Sommer in dem Vergnügen der Hamburger besteht, denn am Sonn- und Montage gehen diese, wie die Bienenschwärme nach Rellingen und Pinneberg.“

 

Inwieweit Johann Friedrich Cramer mit dieser Schilderung aus vorindustrieller Zeit übertrieben hat, können wir nicht bewerten, doch ist zumindest davon auszugehen, dass er einen auffälligen Zustrom von Ausflüglern in Pinneberg und Rellingen beobachtet hat. So heißt es denn auch im Führer von Pinneberg und Umgegend von 1903, dass „Pinneberg mit Umgegend schon im 18. Jahrhundert für Ausflüge wie für den Sommeraufenthalt so vorwiegend Modeort war“ … und sich hier „eine lediglich auf den Sommer-Ausflugsverkehr gegründete Fremden-Industrie (entwickelte), die wohl die älteste ihrer Art in deutschen Landen genannt werden darf.“

Mit fortschreitender Industrialisierung verschlechterten sich die Lebens- und Wohnverhältnisse in den Städten, so auch in Hamburg und Altona. Um 1900 war Altona mit 200.000 Einwohnern eine der am dichtesten besiedelten Großstädte im Deutschen Reich. Die Arbeiterquartiere in Ottensen, Bahrenfeld und Altona-Nord waren hoffnungslos überbevölkert. Die Menschen lebten auf engstem Raum, wegen der hohen Mieten, oft mit mehreren Familien in einer Wohnung. Die im Gängeviertel schnell hochgezogenen Mietskasernen inmitten der Fabrikschornsteine boten Wohnraum der von Schimmel, Qualm und mangelnden hygienischen Einrichtungen geprägt war. Typische Arbeiterkrankheit war die Lungentuberkulose.

Ende des 19. Jahrhunderts lebten ein Drittel der Bewohner Hamburgs noch in fast mittelalterlichen Gängevierteln am Hafen unter katastrophalen hygienischen und sozialen Bedingungen. Die Arbeitszeiten betrugen 16 Stunden am Tag von Montag bis Samstag, für Kinder 12 Stunden, 52 Wochen im Jahr.

 

Diese Lebensverhältnisse führten zu einer deutlichen Zunahme der Menschen, die am Sonntag Erholung in der Natur bei frischer Luft suchten. Der Sonntag war der einzige freie Tag, von Urlaub konnte noch keine Rede sein, die erste tarifvertragliche Urlaubsregelung von 3 Tagen im Jahr wurde erst 1903 erstritten. Im Bereich der Klein- und Handwerksbetriebe wurde gegen immer wiederkehrender Verbote und Widerstände der „blaue Montag“ eingeführt, dies ist eine Bezeichnung für den arbeitsfreien Montag und erklärt, warum Cramer berichtet, dass die Hamburger an Sonn- und Montagen nach Pinneberg gehen würden.

 

„Aus dumpfer Großstadt, aus Saus und Gebraus

Nach Pinneberg flieh‘ in den Wald hinaus!

Hier wand’re fröhlich mit singendem Mund,

Hier weht Gottes Odem, hier wirst du gesund!“

 

Mit diesen Versen endet der Führer von Pinneberg und Umgegend von 1903.

 

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